Fazit!!
Nun ist der Besuch auf der Insel, die ich seit so vielen Jahren sehen wollte, vorbei und es stellt sich mir die Frage, ob meine Erwartungen erfüllt wurden. Das ist nicht so leicht zu beschreiben, ebenso schwer wie das Gefühl das ich hatte, als ich frühmorgens kurz nach 06.30 Uhr am Übergang von der Nacht zum Tag erstmals die Insel als dunkle Erhebung im Südatlantik sah.
Die Insel hat mich nicht enttäuscht, absolut nicht, sie ist nur viel moderner, als ich mir vorgestellt habe. Die Motorisierung hat in den letzten 10 – 20 Jahren wohl enorm zugenommen, der Strom der Besucher/Touristen ist nicht stark angestiegen, ist aber kontinuierlich und häufig sind es ältere, freundliche und aufgeschlossene Leute aus Südafrika, für die der Besuch der Insel ebenfalls ein interessantes Unternehmen ist.
Die Probleme der Insel, die derzeit von knapp mehr als 3000 Leuten bewohnt wird - der Rest arbeitet übrigens auf Ascension Island, den Falkland Islands und im Rahmen der britischen Streitkräfte u a. auch in Deutschland - ist vergleichbar mit denen bei uns. Man kümmert sich um die Probleme der Gegenwart und streitet sich, meist ohne greifbares Ergebnis, um die Lösung der Probleme der Zukunft. Parteien sind auf der Insel unbekannt, die wichtigsten Positionen werden per Personenwahl entschieden. Die Diskussion um den geplanten Flugplatz im Bereich der Prosperous Bay Plain im Osten der Insel dauert an, es gibt wohl einige politische Fürsprecher in London, auf deren Hilfe die Regierung von St. Helena zählt. Bei einer Abstimmung votierte eine Mehrheit für den Bau, aber unter den Menschen, mit denen wir gesprochen haben, ist die Ablehnung ziemlich groß. Die in Aussicht gestellten Vorteile des 300 Mill Brit Pound teueren Projektes sind nicht so greifbar, wie das gelegentlich dargestellt wird. Viele einfache Menschen, mit denen wir in diesen Tagen gesprochen haben, sind skeptisch hinsichtlich des Baus, der Finanzierung und vor allem des Nutzens des geplanten Airports. Manche wären auch mit einer kleinen Lösung zufrieden. Dies könnte ein schmaler Streifen sein wie in Speyer, der es kleinen Flugzeugen erlauben würde, im Notfall von Kapstadt aus oder von Ascension aus die Insel anzufliegen. Eine andere Variante wäre die Öffnung des Flughafens auf Ascension für zusätzliche zivile Flüge und einen Shuttle zwischen Ascension und St. Helena einzurichten. Es bleibt aus unserer Sicht zu hoffen, dass der Charme der Insel ohne den Flugplatz noch lange erhalten bleibt.
Viele andere Probleme sind noch zu lösen: Erhöhung des Anteils der regenerativen Energien durch die Inbetriebnahme von Windgeneratoren (6 Windgeneratoren älterer Bauart, von denen nur 4 in Betrieb sind, sind einfach nicht genug), Solarpaneele auf den Dächern zur Produktion von Elektrizität und zur Unterstützung bei der Erzeugung von Warmwasser sind nur zwei Punkte, die relativ leicht zu realisieren wären. Fairer Weise muss gesagt werden, dass der Transport der einzelnen Bauteile auf den teilweise sehr engen Straßen nicht leicht möglich ist und die Windmühlen ohne Kran oder Helikopter nicht so leicht zusammengebaut werden können. Ein anderes Problem ist die Speicherung von Wasser in Reservoirs und die damit verbundene Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion. Fast alle Produkte, die man in den Supermärkten findet, werden aus UK und Südafrika herbeigeschafft – die Insel kann ohne die RMS St. Helena nicht existieren. Die Entsorgung ist ein anderer Punkt. Der gesamte Müll aller Haushalte wird zwei mal pro Woche eingesammelt und dann in einem Gebiet gegenüber der meteorologischen Station abgeladen, verdichtet und mit Erde abgedeckt. Eine Trennung und Wiedergewinnung findet nicht statt, weder bei Glas noch bei den unendlich vielen Getränkedosen. Lediglich bei SHAPE hat man Papier gesammelt, aus dem man mit den behinderten Menschen neues Papier gewinnt bzw. andere Produkte herstellt. Zudem gehört die Landschaft mal richtig aufgeräumt, weil überall alter Schrott herumliegt. Selbst in den entlegensten Erosionsrinnen finden sich alte Reifen, Felgen, Ölfässer, Bauschutt etc. Die Sünden der Vergangenheit werden sich nicht so schnell beseitigen lassen, sollten aber angegangen werden.
Der Tourismus hat aus meiner Sicht noch ein großes Entwicklungspotential. Die Wanderwege sind schön, aber meistens nicht markiert oder nur unzureichend. Einige Trails sind einfach zu finden, bei anderen muss man lange suchen, wo der Anfang ist, bei anderen sagt auch die Beschreibung in dem kleinen Büchlein, dass man sich seinen Weg selbst suchen soll, was ja eigentlich nicht schlecht ist, wenn der Weg begehbar und das Ziel deutlich irgendwo vor Augen ist.
Tja, so sind sie halt, die deutschen Besserwisser, aber alles, was ich hier niederschreibe, geschieht aus der Liebe zu einer Insel, die mehr als 40 Jahren wie eine Fata Morgana war und die sich endlich als reale Wirklichkeit präsentierte. Wir waren nicht die ersten Deutschen in diesem Jahr auf St. Helena, aber wahrscheinlich einige der Wenigen, die mit der RMS St. Helena nach St. Helena kamen. Die anderen Besucher kamen mit der QM 2 Ende März und besichtigten die Napoleonstätten sowie Plantation House und wanderten einmal die Main Street rauf und runter. Zu mehr reicht die Zeit nicht. Übrigens hat jeder Besucher der Insel eine Abgabe von einigen Pfund zu entrichten. Der Betrag richtet sich nach der Dauer des Besuchs, fängt aber schon mit 11 Pfund pro Tag an. Kann man so mehr Besucher anlocken?
Ciao, gleich gehen wir an Bord der RMS St. Helena
Liebe Waltraud, lieber Edgar,
AntwortenLöschenich habe fleissig geblogt und will nun doch der Erste sein, der einen Kommentar abgibt.
Mich hat Euer Reisebericht fasziniert und ich frage mich jetzt, welchen Traum ich mir für mein Leben im Ruhestand aufbauen kann. Ganz toll, was Ihr gemacht habt. Es wird unvergesslich für Euch bleiben.
Liebe Grüße
Wilfried