Donnerstag, 22.07.2010 – Bye Bye – wir verlassen die Insel St. Helena
Jezt ist der Tag doch gekommen und alles liegt schon wieder hinter uns. Wir hatten eine tolle Zeit auf der Insel. Eigentlich sollten wir schon um 09.00 Uhr die Wohnung verlassen, aber John Turner, der für Cliff die Betreuung der Wohnung über nommen hatte, bot uns an, die Wohnung noch bis gegen Mittag benutzen zu können, weil doch kein Nachmieter mit dem Schiff gekommen wäre.
Wir hatten ja Wilfried versprochen, ihm einen Einschreibebrief von St. Helena zu schicken,was wir dann auch in die Tat umsetzten. Hoffentlich entspricht die Briefsendung seinen Erwartungen. Ich habe echt keine Ahnung, was ein Philatelist mit einem abgestempelten Briefumschlag macht. Er wird sich hoffentlich über die Briefsendungen vom Schiff sowie von Ascension Island freuen.
Um 12.00 Uhr waren dann alle Passagiere am Hafen versammelt und die Prozedur der Passbehörde und der Gesundheitsbehörde begann. Alle wurden von den zwei Doktoren gescreent (wegen der Masern, die auf die Insel eingeschleppt wurden), dann wurde ein neuer Stempel in den Pass gedruckt, das Gepäck wurde durchleuchtet und wir wurden mit dem bus die wenigen Meter bis zum Quai gefahren, wo wir alle Rucksäcke und Taschen abgeben mussten, was viele nur sehr widerwillig machten (wir sollten später sehen, dass das wirklich seine Berechtigung hatte). Jeder bekam eine Schwimmweste und dann begaben sich die ersten 30 Passagiere an Bord des Bootes, das uns zur RMS St. Helena brachte. Auf der Fahrt zum Schiff tanzten wir richtig auf den Wellen, konnten aber trotzdem wunderschöne Aufnahmen vom Schiff machen. Dort angekommen, wurden so manchem schon die Knie weich, so hoch war der Wellengang. Nach einiger Zeit gelang es den Leuten, das Boot am Ponton festzumachen und dann standen mindestens 8 Leute bereit, uns vom Boot auf den Ponton zu bringen und dann den rechten Zeitpunkt abzupassen, bis sich der Ponton im Auf und Ab der Wellen der Leiter annäherte, über die wir an Bord gehen mussten. Wir alle waren froh, als die über 80jährigen Passagiere mit viel Engagment der Crew diese schwierige Prozedur bewältigten und alle applaudierten, als unsere blinde Mitfahrerin ebenfalls oben angelangte. Mir selbst ging es sehr gut, ich hatte eine ruhige Periode erwischt, sprang leicht vom Boot auf den Ponton und mit zwei drei Schritten war ich an der Leiter und gelangte ohne große Hilfe nach oben. Der Verantwortliche erklärte Waltraud, dass sie in der letzten Zeit keinen derartigen Seegang hatten, dabei sah das von Land überhaupt nicht schlimm aus. Also hat es dann eine Weile gedauert, bis die 74 Passagiere alle an Bord waren und zum Schluss kamen auch die vielen Taschen, Rucksäcke, Laptops und was auch immer in einer großen Holzkiste an Bord.
Wir bezogen wieder unsere Kabine A14, die Koffer waren schon da, packten aus und fühlten uns wieder wie zu Hause. Zum Lunch trafen wir uns dann in der Dining Hall und dann wurde der Anker gelichtet. Das Schiffshorn ertönte mehrmals und um 14.30 Uhr local time verlies die RMS St. Helena die Jamesbay. Wir rundeten die Insel im Westen, so dass wir bei Hin- und Rückfahrt einmal um die ganze Insel gefahren sind. Viele Erhebungen, Buchten und Täler kamen uns jetzt bekannt vor, und wir freuten uns, etliche ihrer Namen zu kennen, so, als ob wir immer hier gewohnt hätten. Teilweise war der Seegang sehr heftig, auch wurden plötzlich Kurven gefahren, die das Schiff mächtig ins Schlingern brachten. Nach 1 ½ Stunden waren wir an Speery Island vorbei und die Insel wurde klein und kleiner, aber es sollte noch lange dauern, bis sie ganz in den Wolken verschwand. Adieu mon amour, vielleicht sehen wir uns ja mal wieder.
Freitag, 23.07.2010 – Im Südatlantik auf dem Weg nach Kapstadt
Die Routine hat uns wieder! Die Essenszeiten bestimmen den Tagesablauf: Frühstück von 8 – 9 Uhr, 12 – 13 Uhr Lunch und dann am Abend 6.45 pm Dinner für die erste Gruppe. Das gibt den Menschen die richtige Sicherheit für das Leben an Bord, dazu die vielen Gespräche, Kaffee’s oder Tee’s dazwischen. Heute habe ich mich lange mit dem ersten Bischof in meinem Leben unterhalten. Er heißt John Salt und ist seit 11 Jahren der anglikanische Bischof von St. Helena. Er fährt zu einem Kongress nach Südafrika und nimmt dann seinen Urlaub und am Ende von Oktober wird er wieder auf die Insel zurückkommen. Nächstes Jahr wird er in Pension gehen und dann die Insel für immer verlassen. Es war sehr interessant, was er zum Zustand der Kirche auf St. Helena sagte. Er beklagt sehr die zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft, die auch auf St. Helena dazu führt, dass immer weniger Leute in die Kirche gehen und dass generell der Gemeinschaftssinn schwindet.
Eine der interessantesten Persönlichkeiten an Bord ist Professor Rui aus Angola. Allein seine Erzählungen über das Auf und Ab seines Lebens könnten ein Buch füllen.
Samstag, 24.07.2010 – In der unendlichen Weite des Südatlantiks
Der Bordrhythmus hat uns fest im Griff. Wir wissen, wann es zu essen gibt, wann wir uns wo zu versammeln haben, wo es Kaffee und Tee zu trinken gibt. Wir bezahlen nicht in bar, sondern zeichnen immer die kleine Rechnung ab und es ist wirklich billig auf dem Schiff. Ein Bier kostet weniger als ein Pfund, die Flasche Wein am Abend weniger als 6 Pfund. Eine grüne Baseballmütze habe ich mir geleistet mit dem Enblem des 20-jährigen Jubiläums der RMS St. Helena. Das wird ja wohl hoffentlich nicht so oft in Deutschland und Schweden zu sehen sein.
Ein anderes Phänomen macht sich bemerkbar. Wir werden langsam müde von den vielen Unterhaltungen, die ja alle in Englisch oder in Französisch geführt werden, letzteres spricht eh nur der Professor mit mir. Alle haben irgendeinen besonderen südafrikanischen oder englischen Slang drauf, was ja das Hörverstehen für uns nicht unbedingt leichter macht. Dazu kommt noch, dass sie häufig Idioms benutzen, deren Sinn sich nicht immer für uns erschließen lässt. Wie dem auch sei, wir genießen das ruhige Bordleben.
Höhepunkt gestern war ein Kegelturnier an Bord auf dem Sun Deck, was vom heftig wehenden Wind beeinflusst war. Unsere Leistung war nicht zu entschuldigen und wir haben, obwohl wir in verschiedenen 2er Teams spielten, die 2. Runde nicht erreicht. Bei der Rätselquizrunde hat man uns vermisst, aber wir waren irgendwie müde. Ausgeschlafen waren wir dagegen bei dem abendlichen Sportwettkampf in der Sun Lounge (Tischkegeln, Darts, Münzen schieben und Holzscheiben quasi einlochen). Wir waren ganz gut im Tischkegeln, wo wir auch das Finale erreichten und dieses auch gewannen – hurra!!!
Sonntag, 25.07.2010 – Letzer Sonntag im Südatlantik
Das war für alle irgendwie ein fauler Tag. Wir alle hingen, obwohl nur eine Stunde zurückgestellt wurde, nur so rum und waren müde. Leider wurde der Pool wegen des Seegangs schon kurz nach Mittag wieder geleert, aber es war so auch schön. Einige nahmen an der Sportaktivität teil, andere lagen auf der Liege und nahmen eine Mütze Schlaf.
Am Abend fand das berühmte Dog Race statt. Das Spiel besteht darin, einen Windhund, der auf einem Brett sitzt, mit einer Leine bis zu einer bestimmten Linie zu ziehen. Der Witz besteht darin, die Leine auf einem kleinen Stock durch Drehen aufzuwickeln. Jeweils 5 Teilnehmer versuchten ihr Glück und auf diese konnte gewettet werden. Jeder suchte sich einen Namen für sein „Rennpferd“. Mein Name war „Blizzard“ und ich versuchte im Wettkampf meinem Namen alle Ehre zu machen. Die Konkurrenz war stark: Collin, Tomas, Georges und noch ein Saint. Wir wurden,nachdem die Wetten angenommen und das Rennen gestartet war, vom Publikum frenetisch angefeuert. Dank einer engagierten Leistung konnte ich das Rennen für mich entscheiden, es war auch ein schöner Betrag auf mich gesetzt worden.
Danach folgte ein Rennen von Frauen, dann von Männern mit einer Frau/einem Mädchen auf einem Knie, aber sie mussten den Stab mit jeweils nur einer Hand drehen, was zu manchen Komplikationen führte. Im vorletzten Rennen traten Crewmitglieder gegeneinander an, das Rennen wurde fachkundig vom Bischof John Salt moderiert. Er befahl den Teilnehmern, sich umgekehrt auf den Stuhl zu setzen und den Stock auf dem Rücken zu drehen. Merrill war der schnellste und konnte den Applaus des Publikums genießen.
Im abschließenden Rennen der Gewinner habe ich leider nur ganz knapp den ersten Platz verpasst, aber es hat viel Spaß gemacht.
Dienstag, 27.07.2010
Fast 6 Stunden früher als erwartet sind wir in Kapstadt angekommen. Natürlich mussten wir wieder am Nachmittag vor dem Ankunftstag das Gepäck fertig vor die Tür stellen. Am Abend gab es dann die Preisverleihung und wir erhielten für den Sieg im Tischkegelspiel ein Dominospiel und einen Satz Untersetzer. Dann gab es noch ein Spiel, bei dem eine Gruppe ein Lied, einen Filmtitel oder einen Spruch herausfinden musste. Das fing in den meisten Gruppen etwas zäh an, aber am Ende hatten wir alle einen Riesenspaß und mussten wirklich mit den Tränen kämpfen, so mussten wir lachen. Erklär mal jemand ohne Sprache die Begriffe Sex Bomb oder Virgin, A hard days night oder Top Gun.
Jetzt sind wir in Camps Bay eingetroffen und wohnen im Hotel Primi Seacastle (www.primi-seacastle.com). Morgen wollen wir mit einem Mietauto zum Kap der Guten Hoffnung fahren.
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