Montag, 7. November 2016

Der Sommer 2016 in Kurzversion

Ich berichte einmal von unserem Sommer 2016. Wir sind am 25. Mai von Speyer aus nach Itzehoe zu Rebecca, Tobias, Emil und Johan gefahren. Dort haben wir einige Tage verbracht und sind dann nach Schweden weitergefahren, wo Waltraud und ich erst einmal allein waren und verschiedene schwedische Freunde getroffen haben. Wir wurden natürlich auch eingeladen und konnten die lokalen Spezialitäten kosten. Esther war auch noch mit einer Freundin da und hat an ihren Taschen genäht. Und später war Patrick noch mit seinem Freund Samuel bei uns. Sie haben mir geholfen, im Schuppen ein neues Fenster zu setzen, die anderen habe ich selbst eingesetzt und beim letzten Fenster hat mir Ingmar geholfen, es war von der Fabrik falsch eingestellt gewesen. Die beiden haben uns fleißig mit Hechten versorgt.

An unserem Haus habe ich dann begonnen, den Grünbelag auf gelben Brettern am Haus mit dem Schrubber, der Handbürste oder mit dem Hochdruckreiniger zu entfernen. Es war schön warm und so ist alles natürlich schnell getrocknet, so dass ich sofort mit dem Anstreichen beginnen konnte. Ein Liter Farbe kostet in Schweden umgerechnet 40 Euro, dafür soll sie eine ganz lange Zeit halten, mindestens 20 Jahre, dann werde ich, wenn es klappt, 86 Jahre alt sein (und garantiert kein Haus mehr anstreichen).
Es hat in den Sommermonaten in Südschweden kaum geregnet und so hat das Mähen mit dem Rasentraktor Spaß gemacht. Meinen Geburtstag haben wir auf der Terrasse mit den üblichen Gästen aus der Umgebung gefeiert. Ende Juni sind wir dann wieder nach Itzehoe gefahren, wo Rebecca und Tobias ein Familienfest ausgerichtet haben. Das soll die Hochzeitsfeier von Rebecca und Tobias ersetzen. Wir (Waltraud, ich, Patrick und Esther)  haben in einer Ferienwohnung übernachtet. Diese Variante ist auch nicht schlecht gewesen. Oma Ingrid und Hiltrud und Henning sind auch gekommen, sogar Jonathan aus dem fernen Addis Abeba. Es war ein schönes Familientreffen, die Wagners und die Schaibles. Auch wenn das Wetter nicht ganz mitgespielt hat, hat es allen gefallen. 

Wir sind dann montags wieder 730 km zurück nach Schweden gefahren und Rebecca kam einige Tage später mit ihrer Familie und blieb dann drei Wochen bei uns. Wir haben eine schöne Zeit miteinander und vor allem mit den Jungs Emil und Johan verbracht. Emil  hat seine erste Tour unter Anleitung auf dem Rasentraktor absolviert, nächstes Jahr vielleicht mehr. Die wilden Kirschen wurden reif, später dann die gelben und roten Himbeeren, dann die Heidelbeeren und die Pilze. Johan hat jeden Morgen seine Beeren bekommen, er war in seinem Paradies. 
 
 
 
 
 
Am 27. Juli sind Waltraud und ich dann mit der Fähre von Schweden (Karlskrona) nach Gdynia in Polen gefahren. Von Danzig aus sind wir dann mit einer Gruppe, darunter die ehemaligen Trierer Geographiestudenten Kalle, Toni, Günther, durch das ehemalige Ostpreußen nach Kaliningrad (Königsberg), heute ein Teil Russlands, nach Litauen und Lettland gefahren. Das alles mit dem Rad, aber aber .... es war nicht so schlimm. Wir hatten einen Bus mit dabei und einen Anhänger für die Fahrräder und das Gepäck. Eigentlich sind wir mehr mit dem Bus gefahren als mit dem Rad. In Russland gab es keine Radwege, sie fahren dort alle dicke und teure deutsche SUVs, das ist wohl ihr Lebenstraum. Am Ende der Reise waren wir noch einige Tage in Riga, eine sehr schöne Stadt, wo zu unserer großen Verwunderung viele amerikanische und kanadische Touristen waren (vielleicht alle mit einem baltischen Hintergrund). 
 
Hier folgend der Bericht von Günther und Rita zur Fahrradreise:
 
Baltikum - Tour  vom 27.07. - 7.08. 2016

Teilnehmer: Angelika, Christel, Cornelia, Edgar, Gabi, Günther, Jutta, Kalle, Petra, Regina, Rita, Toni, Ute, Waltraud, Wolfgang
Reiseleitung: Robert, Andrzej

Mittwoch 27.07.2016
Der Tag der Anreise. Günther und Rita waren bereits am Tag zuvor im Hotel Gryf angekommen. Die Umgebung ist auf der Eingangsseite ziemlich heruntergekommen. Dahinter ragen die maroden und verrosteten Kräne der ehemals berühmten Danziger Werft in den Himmel. Auf der gegenüberliegenden Seite ist das neue Solidarnosc-Zentrum mit Museum. Außen- und Innenfassaden sind verrosteten riesigen Stahlplatten für den Schiffsbau nachempfunden.
Toni war der erste, der am Mittag ankam. Danach trudelten die übrigen Teilnehmer ein, die letzten gegen 21:00 Uhr. Das war ein Problem für die Küche. Kalle musste sich mit einem Süppchen begnügen, die anderen hatten am Ende Glück, dass es doch noch eine kleine Auswahl an Speisen gab. Die Mücken und Schnaken trieben alle von der Terrasse und es entstand die erste gemeinsame Runde im Speiseraum, bei der man sich bereits ein wenig kennen lernte.
Unsere Reiseleitung hatten wir inzwischen auch kontaktiert. Der Bus, in dem wir unklimatisiert etliche Kilometer reisen würden, parkte samt Fahrradanhänger vor dem Eingang. Welche Räder da auf uns warteten, konnten  wir nicht feststellen. Wenig später löste sich die Runde auf.

Donnerstag, 28.07.2016
Alle waren rechtzeitig aufgestanden, so dass wir um 8:30 Uhr pünktlich das Frühstück einnehmen konnte. Pünktlich um viertel vor neun war die Gruppe vor dem Hotel startklar. Ein paar Schritte zum Solidarnosc Zentrum und  wir wurden von einer freundlichen Stadtführerin empfangen. In gutem Deutsch erklärte sie die historische Bedeutung unseres Treffpunktes. Dabei machte sie einen verbalen Streifzug durch die neuere polnische Geschichte, die unter anderem vom Wirken Lech Walesas geprägt wurde sowie den zahlreichen Streiks, die für Polen eine erhebliche politische und gesellschaftliche Veränderung bedeuteten.
Es folgte ein Gang durch das alte Danzig, das aber außerhalb der vielbesuchten Rechtstadt liegt, die der Tourist als Altstadt bezeichnet und wahrnimmt. Die Rechtstadt betraten wir schließlich durch das Goldene Tor. Vor uns lag die prächtige Langgasse mit ihren zahlreichen, eng aneinander geschmiegten Patrizierhäusern.
An vielen Häusern blieben wir stehen, um etwas über ihre besondere Bedeutung zu erfahren. Die Fassaden verraten vieles über ihre Besitzer. Der Ansporn der Besitzer, ihren Reichtum zu zeigen und ihr Kunstinteresse zu dokumentieren, ist wahrnehmbar an den vielen kleinen Kunstwerken an der Fassade bzw. im Haus.
Die angrenzenden verzweigten Gassen haben ihren eigenen Charakter, sowohl was die baulichen Besonderheiten angeht als auch ihre Nutzung. Eine der Gassen ist ausschließlich von kunsthandwerklichen Angeboten geprägt. Insbesondere Gegenstände aus Bernstein werden angeboten. Zu den baulichen Besonderheiten gehören die „Beischläge“. Sie bilden eine Art Terrasse vor dem Hauseingang, ursprünglich gedacht als Schutz vor Hochwasser, das den höher gelegenen Eingangsbereich nicht erreichen sollte. Sie sind nur noch in wenigen Straßen zu finden, da die meisten „Beischläge“ der Verbreiterung der Straßen weichen mussten.
Der Rundgang endete in der Marienkirche, der größten aus Backstein gebauten Kirche Europas. Ihre Ausmaße entspricht einem Fußballfeld, mit einem Fassungsvermögen von 20 000 Menschen. Diese Kirche war lange Zeit auch Grabstätte für reiche Patrizier. Sie liegen unter großen Abschlusssteinen, auf denen auch die Namen der Toten zu lesen sind.
Reiche Bürger leisteten sich schon vor ihrem Ableben kunstvoll verzierte Tafeln, auf denen Hinweise auf ihren Lebenslauf bzw. ihr Lebenswerk kunstvoll dargestellt wurden und die ihren Platz an den Pfeilern einnahmen.
Zu bewundern ist die astronomische Uhr. Um 12 Uhr waren wir Zeuge einer kleinen Aufführung von Figuren, die sich im Kreis bewegten zusammen mit den entsprechenden Glockenschlägen, die von verschiedenen Figuren ausgeführt wurden.
Den Abschluss des Stadtrundgangs bildete die Besichtigung einer kleinen Bernsteinausstellung. Die Männer waren nach kurzer Demonstration, wie der Bernstein durch verschiedene Schleifmethoden veredelt und so zum Glänzen gebracht wird, wieder vor der Tür, die Frauen brauchten etwas länger.
Nun trieb uns Andrzej  durch einige Straßen hin zu einem Platz, auf dem unser erstes Picknick wartete. Sitzgelegenheiten fehlten, dafür gab es ein vielfältiges Angebot an Speisen und Getränken, die Robert mittlerweile zu einem einladenden Buffet aufgebaut hatte. Da Sitzgelegenheiten fehlten, schleppten beide eine Palette heran, auf der 4 oder 5 Personen Platz nahmen.
Danach ging es zurück zur grünen Brücke, dann entlang des Motlawa-Ufers zur Anlegestelle eines nostalgischen Segelschiffs, auf dem wir zu einer 90 min.  Hafenrundfahrt starteten. Das Schiff entfernte sich langsam von der Rechtstadt, die Umgebung wurde mehr und mehr industriell geprägt. Stillgelegte Werften auf riesigem Gelände, auf denen es kaum Menschen zu geben schien, wechselten sich mit langen Industriehallen und Docks ab. Die wenigen Schiffe im Rohbau und die vielen reparaturbedürftigen, alten, verrosteten Kähne ließen erahnen, wie viel Stahl hier verarbeitet wird. Hin und wieder tauchte auch ein Frachter oder ein Fährschiff kurz vor der Fertigstellung auf.
Auf der Halbinsel  Westerplatte, die als offizieller Ort für den Beginn des 2. Weltkriegs gilt, wäre die Möglichkeit gewesen auszusteigen, doch wir blieben an Bord und fuhren den gleichen Weg zurück.
Danach blieben einige Reiseteilnehmer in der Stadt, andere fuhren zum Hotel zurück. Jedenfalls waren alle wieder um 19 Uhr zum Abendessen in einem Restaurant an der Baltischen Philharmonie.
Eine leckere Suppe sowie ein Fleischgericht wurden serviert, dazu köstliche Kartoffeln und Salat.
Um 9:00 Uhr löste sich die Runde auf, den Heimweg machten die meisten zu Fuß, andere fuhren mit dem Taxi.
      
Freitag, 29.07.2016
Frühes Aufstehen war angesagt, um Zeit zum Frühstücken zu haben. So konnte der Bus um 7:55 Uhr pünktlich starten. Am Beginn des Radwegs einige Kilometer weiter ging es erst einmal darum, die Räder entsprechend vorzubereiten. Doch nach erstaunlich kurzer Zeit saßen alle auf dem Rad und es ging im gemütlichen Tempo bei schönem Wetter los. Nach kurzen Stopps fuhren wir entspannt weiter zu einem Parkplatz an der Nehrung, wo Robert mit dem Bus auf uns wartete. Wir hatten eine Stunde Zeit zum "Baden", was einige als Erfrischung nutzten. Der Strand war sehr belebt, kleine Geschäfte und Lokale lockten die zahlreichen Besucher. Danach war ein üppiges Picknick angesagt. An das Stehen dabei hatten sich die meisten gewöhnt, Sitzen auf dem Waldboden war eine Alternative. Robert hatte köstliche Sachen eingekauft, die Stimmung war gut. Selbst die ersten Hinweise auf ein Gewitter ließen die Truppe nicht aus der Ruhe bringen. Kaum im Bus, begann es leicht zu regnen. Wir fuhren ein Stück bis zur Fähre, Regenkleidung wurde nach einem Stopp hervorgekramt. Man rechnete mit starkem Wind oder kühleren Temperaturen bei der Überfahrt nach Frauenburg.
Doch dann kam Regen auf, zunächst leicht, dann immer heftiger. Gerade bei Ankunft der Fähre steigerte sich die Intensität des Regens zu einem ausgewachsenen Wolkenbruch. Die Gruppe suchte Zuflucht unter einem Wartehäuschen für die Fähre. Alle harrten aus und warteten auf die Ankunft von Robert, der einen ziemlichen Umweg fahren musste. Doch Andrzej hatte keine Geduld und ging im etwas nachlassenden Regen los. Die Regenmenge reichte, dass die Füße immer nasser wurden und nach und nach die Regenschutzmöglichkeiten in ihrer Wirkung nachließen. Da einige vollkommen durchnässt waren, folgte Andrzej dem Wunsch der meisten, erst das Hotel "Kopernik" aufzusuchen zum notwendigen Kleiderwechsel. Andrzej hatte für uns ein Orgelkonzert organisiert. Das Orgelspiel des jungen Organisten auf einer der weltweit größten Orgeln war beeindruckend. Wir konnten ihm beim Spielen zusehen. Die ausgewählten Stücke waren teilweise bekannt und zielten darauf ab, die Klangvielfalt des Instruments zu demonstrieren. Das gelang überzeugend durch die Möglichkeit, 5 Manuale zu nutzen und weitere Pfeifen versteckt im Altarraum zu aktivieren.
Es folgte eine interessante Führung durch die Kirche. Die junge Stadtführerin verstand es, unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Wir hörten aufmerksam den Ausführungen über die historischen Gegebenheiten zu. Der Frauenburger Dom (Dom zum Heiligen Andreas und Himmelfahrt Mariä) entstand im 14. Jh. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entwickelte der Domherr Nikolaus Kopernikus hier im „hintersten Winkel der Welt“ „in Frueburgio Prussiae“ seine Theorie des Heliozentrischen Weltbilds. Die 99 m lange Hallenkirche ist architektonisch in weitgehend ursprünglichem Zustand erhalten.
Der Bus fuhr uns wenig später zur "Stadtmitte", zu einem wunderbar renovierten, ehemaligen Wasserturm, der heute ein Café auf mehreren Ebenen beherbergt und von wo man einen wunderbaren Ausblick auf Nehrung, Haff und Burgberg hat. Der Wasserturm aus dem 14. Jh. versorgte bis ins 19 Jh. den Burgberg mit Trinkwasser. Das Abendessen um 19:00 Uhr war wohlschmeckend und bestand vorwiegend aus regionalen Produkten.

Samstag, 30.7.2016
Pünktlich ging es 8:15 Uhr los Richtung russische Grenze. Die Landschaft und die Straßen erinnern an  DDR Zeiten oder ländliche, ungarische Verhältnisse. Holprige Straßen zwangen Robert zu langsamer Fahrt.
Die Einreise nach Russland dauerte insgesamt 2 Stunden. Zunächst ging es rasch voran, die zuvor abgegebenen Pässe wurden wieder ausgeteilt, ein Antrag musste unterschrieben werden.
Die Hitze im Bus stieg schon in unangenehme Höhen, kein Lüftchen oder gar eine Klimaanlage, die für Entspannung gesorgt hätten.
Alle mussten nach einer Weile durch das Zollgebäude, wo wiederum der Pass kontrolliert wurde.
Nun waren wir also in Russland. Wir bestiegen den Bus und Warten war erneut angesagt. Schließlich starteten wir. Ärmliche, teils verfallene Häuser entlang einer schlechten Straße bestimmten das Bild. Kaliningrad war das heutige Ziel, das wir nach ca. einer Stunde erreichen sollten. Im heißen Bus sitzend kein Vergnügen. Zum Schlafen war es einfach zu warm. Man versuchte es trotzdem oder schaute in die ausgeteilten Karten, las in einem Buch oder Reiseführer.
Endlich war Kaliningrad erreicht. Eine Stadtführerin bestieg den Bus und das Bombardement an Informationen begann. Vielleicht wollte uns die gut Deutsch sprechende Dame von den weniger schönen Gebäuden und Stadtteilen ablenken. Robert musste viele Kilometer durch die Stadt fahren. Doch egal wohin wir kamen, das Stadtbild war enttäuschend. Kein einheitliches Stadtbild, Bausünden, graue Betonflächen und keinerlei erkennbare Altstadt. Die Folge wohl von dem jahrelangen Status als Militär-Sperrgebiet. Trotzdem zauberte Robert mit Unterstützung der Teilnehmer sein typisches Picknick. Im Schatten eines Baumes gegenüber einer Kirche mit Sitzgelegenheit auf einer Mauer war die Hitze erträglich.
Eine anschließende, interessante Besichtigung war das KANT Museum, das im Königsberger Dom       auf drei Ebenen untergebracht ist. Uns wurde das Leben und Wirken dieses Mannes ausführlich in Worten und mit Ausstellungsstücken erklärt.
Ein weiterer Besichtigungspunkt war die russisch-orthodoxe Christ-Erlöser-Kathedrale. Ihre gold- glänzenden Kuppeln sind von weitem zu erkennen. Wir erfuhren einiges über die hier üblichen Rituale. Frauen sollen ein Kopftuch und lange Röcke tragen, sie dürfen nicht in die Nähe des Heiligtums und von den Männern getrennt stehen. Geduld während der mindestens einstündigen Messe ist für alle angesagt, auch Kinder werden dazu erzogen stillzuhalten. Deshalb fehlen auch die in Kirchen üblichen Bänke.
Die Fahrt führte weiter durch die Stadt, u.a. an einem Villenviertel vorbei. Die Villen tragen jeweils die Namen ihrer ursprünglichen Besitzer. Diese Villen blieben erhalten, weil sie hohen Militärs während der Besatzung zur Verfügung standen.
Da einige sich nach einer Toilette sehnten, hielten wir nach einem Fehlversuch an einem See-Restaurant an. Die Versorgung mit Cafe und Süßigkeiten verlief schnell, das Bezahlen kostete allerdings eine halbe Stunde Zeit.
Wir fuhren schließlich zu unserem Hotel "Zolotaya Bukhta", wo wir gegen 18:00 Uhr ankamen.
Das Abendessen um 19 Uhr hatte bei weitem nicht die Qualität des Vorabends.
Es gab kleinere Zimmer als zuletzt, aber in ruhiger Lage. Das Hotel bot leider keine Möglichkeit, gemütlich zusammen zu sitzen. Also gingen alle nach dem Essen auf ihr Zimmer.

Sonntag, 31.07.2016
Frühstück gab es ab 8 Uhr, diesmal am Tisch serviert. Fast pünktlich ging es um kurz nach 9 Uhr los.
Ziel war es, aus der Stadt herauszufinden, was nicht optimal gelang. Immerhin waren wir stolz, einige Orte wiederzuerkennen, die wir am Vortag wiederholt passiert hatten. Robert demonstrierte eher unfreiwillig seine Fahrkünste. Flottes Drehen des 12-Meter-Gefährts auf der Straße beherrscht er perfekt. Nach etlicher Zeit fand er den Ausgangspunkt der heutigen Radtour. Halb auf einer Wiese, halb auf der Straße parkend verteilte Robert die Räder. Da jeder sein Rad kannte, und die Räder nach kleinen Korrekturen optimal eingestellt waren, konnte es schnell losgehen, dieses Mal mit leicht höherer Durchschnittsgeschwindigkeit als am 1. Radtag (17,4 km/h). Mal blieb das Feld dicht beieinander, zwischendurch betrug der Abstand vom Ersten bis zum Letzten ca. 1 km. Kurze Zwischenstopps ermöglichten immer wieder ein Aufschließen.
Erstes Ziel war eine Aussichtsplattform, von der aus man sich einen Überblick über den Bernsteinabbau verschaffen konnte. Was wir sahen, erinnerte stark an die Landschaft eines Braunkohlenabbaus. Hier wird weltweit der meiste Bernstein abgebaut.
Dieses Mal gab es kein Picknick sondern ein Kantinenessen in einem Gebäude eines  Kombinats, das wohl mit der Verarbeitung von Bernstein zu tun hat. Das Essensangebot war überschaubar, jedoch durchaus genießbar.
Weiter ging es in Richtung Rauschen (Swetlogorsk). Unsere Wege  waren für Radfahrer nicht optimal. Häufig mussten wir uns von dicht auffahrenden Autos oder Bussen bedrängen lassen. Der Verkehr war zeitweise dicht, die Abgase machten einigen zu schaffen, der unerfreulichste Teil der gesamten Reise.
Vor unserem Ziel gab es nochmal einen Stopp. Wir sollten KVAS ein typisches russisches Getränk ausprobieren. Andrzej  hatte aus einem kleinen Laden drei verschiedene Sorten besorgt. Wir probierten und verglichen, doch Begeisterung war nicht zu spüren.

Einige kleine Steigungen waren noch zu überwinden und schon erreichten wir die Stadtgrenze von Rauschen. Jetzt wurde es etwas kompliziert beim Fahren. Hohe Bordsteine, enge Kurven sowie die zahlreichen Autos verhinderten ein entspanntes Radeln. Kalles Rad überlebte die Tortur nicht. Er musste mit einem Platten zurückbleiben.
Wir erreichten unser Hotel "Volna" in Svetlogorsk, Robert fuhr derweil versehentlich zu einem anderen Hotel und hatte schon das gesamte Gepäck ausgeladen.
Doch nach einigem Warten kamen sowohl Robert als auch Kalle am Hotel an. Viel Glas und blaue Farbe erweckten einen modernen Anschein, die Zimmer hatten aber schon einige Jahre hinter sich.
Nach 20 Minuten führte Andrew eine kleine Truppe zum Strand. Die meisten nahmen in einer Bar Platz, einige wenige trauten sich ins kalte Wasser.
Mit einem kleinen Schlenker durch ein Villenviertel ging es zurück zum Hotel, wo wir um 19:30 Uhr das Abendessen einnahmen. Wir wurden mit einem reichhaltigen Buffet verwöhnt.
Die Runde löste sich bald nach dem Essen auf, das nächste Frühstück war für 8:00 Uhr angesetzt.

Montag, 1.8.2016
Der Blick nach draußen nach dem ersten Wecken war enttäuschend. Heftiger Wind und Regen verhießen nichts Angenehmes. Beim pünktlichen Frühstück erschienen Toni und Wolfgang optimistisch in Radklamotten. Alle anderen hielten sich „bedeckt“. Bereits bei der Abfahrt ließ der Regen nach und nachdem wir eine Weile mit dem Bus gefahren waren, gab es immer mehr Hoffnung auf gutes Wetter. Tatsächlich kam die Sonne hinter den Wolken hervor und es ging los in Windjacken und langen Hosen.
Kurze Stopps auf den zu bewältigenden 35 km, eine "Wassermelonen-Pause", und eine glatte Straße durch unberührte Natur sowie gutes Wetter sorgten für beste Stimmung unter den Teilnehmern. Getoppt wurde das Ganze von einem wunderbaren Picknick unter einer privaten Gartenlaube.
Doch die gute Stimmung wurde wenig später am Grenzübergang nach Litauen deutlich getrübt. Nun war mal wieder Warten angesagt. Zunächst schien alles glatt zu laufen, doch dann schienen alle Aktivitäten der russischen Zöllner wie eingestellt, obwohl kaum Betrieb an der Grenze herrschte. Zwischenzeitliche Diskussionen von Robert und seinem Bruder mit Zollbeamten verliefen nicht gerade in freundlicher Weise. Nach über 2 Stunden war es dann soweit und einige nutzten noch den Duty Free Shop, um die restlichen Rubel loszuwerden.
Durch die Zeitumstellung von einer Stunde war es nun reichlich spät geworden, und es blieb uns noch  eine drei Viertel Stunde bis zum Abendessen im Hotel "Villa Kastytis" in Nida (19:30 Uhr).
Anschließend gingen einige noch zur Strandpromenade, die einen recht aufgeräumten Eindruck machte. Der Versuch, einen Supermarkt zu besuchen, wurde abgebrochen, nachdem wir den Riesenstau an den Kassen gesehen hatten. Trotzdem kaufte unsere Reiseleitung zwei große Einkaufswagen Proviant für das nächste Picknick ein. Bei einem kleinen Umtrunk in Strandnähe ließen einige den Abend ausklingen.

Dienstag, 2.08.2016
Ein kräftiger Regenguss unterbrach am frühen Morgen den Schlaf. Die Aussichten waren wieder einmal nicht allzu rosig. Doch nach den guten Erfahrungen vom Vortag erschienen die meisten mit Radkleidung beim Frühstück. Das Buffet war umfangreich, die Stimmung positiv.
Um ca. 9:15 Uhr war alles eingepackt und es ging mit den Rädern los, zur bis dahin längsten Etappe. Unterbrochen von einem Kurzeinkauf an einem Stand an der Promenade, der Bernsteinprodukte anbot, ging es weiter zur nahegelegenen Düne, die dann über Treppen, Holzstege und schließlich über  Dünensand erklommen wurde. Die kleine Mühe wurde mit spektakulären Aussichten belohnt.
Auch viele Strukturen, die von Sand und Wind geformt wurden, erfreuten das Auge.
Nächstes Ziel war ein hübsches Haus, das von Thomas Mann einige Jahre im Sommer als Ferienhaus bewohnt wurde und heute ein Museum ist. Eine traumhafte Lage, die er da ausgesucht hatte. Kein Wunder, dass er an diesem Ort gerne weilte und zu seinen eindrucksvollen Werken inspiriert wurde.
Danach führte unsere Tour am Wasser entlang oder quer durch Waldgebiet, angenehm zu fahren und mitten in der unberührten Natur.
Irgendwann gab es einen „Bananen-Halt“ und zwar an der Stelle, wo  ein Weg zu einer grandiosen Düne begann. Der zweite Aufstieg war fällig. Treppenstufen und Holzstege erleichterten den Aufstieg. Auf den letzten Metern ging es auf Sand weiter, der vom nächtlichen Regen feucht war und angenehm unter den nackten Füßen war.
Der Aussichtspunkt belohnte wiederum mit einer tollen Aussicht. Weiter ging es mit den Rädern.
Irgendwann erwartete uns Robert und hatte schon das Picknick vorbereitet. Gerade in diesem Augenblick fing es an zu regnen und wir griffen wieder zur Regenkleidung. Doch dann spannte Robert sein Vorzelt auf und wir konnten gut geschützt weiter trinken und essen. Die Mühe von Robert war umsonst, denn nach ein paar Minuten schien die Sonne wieder.
Wieder auf den Rädern, folgte ein vorausgesagter Anstieg zum sogenannten "Hexenberg". Er wurde zu einer Herausforderung für Mensch und Material. Nun hieß es auch für die Profis unter den Teilnehmern: Rad schieben, sowohl bergan als auch bremsend wieder nach unten, weil es über glatte Wurzeln und eine matschige Wegstrecke ging. Alle erreichten unfallfrei das Ende der Steilstrecke.
Wenig später - es waren noch ca. 16 km zu fahren, stiegen Conny und Günther aus. Sie fuhren mit Robert zum Endpunkt der Tagestour. Kaum niedergelassen kamen die ersten ins Ziel: Toni und Kalle. Jutta war die nächste. Alle wurden mit großem Hallo empfangen.
Nun trudelten nach und nach die anderen ein. Für die einen war ein leckeres Eis die Belohnung, für andere ein Getränk. Die meisten belohnten sich mit einem Kurzbesuch des nahegelegenen Strandes. Die Zeit drängte, weil wir auf die Fähre mussten. Außerdem stand noch die Stadtbesichtigung von Klaipeda (Memel) an. Die Gruppe traf sich vor dem neu restaurierten Theater an der Statue von Ännchen von Tharau. Wenig später starteten wir mit unserer Reiseführerin den Stadtrundgang.
Den Stadtplan konnte sie zwar nicht entziffern, aber sie kannte die wichtigsten Straßen und Winkel. Selbst zu den unauffälligsten Häusern wusste sie etwas zu berichten. Die folgsame Truppe hörte scheinbar aufmerksam zu, obwohl die Zeit vor dem Abendessen immer kürzer und die Spuren des langen Tages fühlbar wurden.
Schließlich erreichten wir zu Fuß unser Hotel "Amberton Klaipeda". Einige wollten schon vorbeigehen, weil vier Sterne über dem Eingang prangten. Doch die Adresse stimmte tatsächlich und Robert hatte im Hof geparkt, so dass wir die Koffer entgegennehmen konnten. Wir hatten kaum mehr als eine halbe Stunde Zeit, uns nach dem langen Tag frisch zu machen. Mit kleiner Verspätung führte uns Andrzej zum Speisesaal, der einige  Gebäude weiter lag. Der Salat stand schon bereit, die Getränke wurden geordert. Es gab Fisch und als Nachtisch Eis mit Früchten.
Danach löste sich die Gemeinschaft auf. Robert und Andrzej gingen los zum Einkaufen, damit wir am nächsten Tag wieder ein tolles Picknick haben sollten.

Mittwoch, 3.08.2016
Alle waren mehr oder weniger pünktlich beim Frühstück, die Auswahl war riesig, so dass jeder nach seinem Geschmack auswählen konnte. Die Abfahrt um 9:00 Uhr verzögerte sich, denn es regnete heftig, so dass ein Beladen des Anhängers mit den Koffern und Taschen eine ordentliche Dusche bedeutet hätte. Aber nach einer Weile hörte es auf zu regnen und wir starteten zum Ausgangspunkt der heutigen Radtour.
Alle hatten vorsichtshalber Regenschutz übergezogen, doch das Wetter wurde immer freundlicher.
Einen längeren Stopp machten wir an einer Aussichtsplattform eines Vogelschutzgebietes. Dort verweilten wir bei bester Aussicht und warteten auch die nächsten kleinen Regenschauer ab.
Weiter ging es, unterbrochen von einem "Apfeltreffen" zu einem Steg, der ca. 100 Meter zum Meer hinaus führte. Hier hätten die meisten trotz großer Betriebsamkeit gerne gebadet. Schließlich wurde an einem Eisstand angehalten, doch die wenigsten gönnten sich das Vergnügen.
Nun hieß es, die letzte Etappe bis zu unserem Picknickplatz weiter zu fahren. Es war ein Garten auf einem Privatgelände mit fest installierten Holztischen und Bänken. Das Angebot war wieder reichlich und schmackhaft, die Stimmung bestens, vor allem weil die Aussicht bestand, danach für 40 Minuten zu baden. Der Bus brachte die Gruppe in unmittelbare Nähe zum Strand und wir freuten uns über diese Möglichkeit.
Mit dem Bus fuhren wir wenig später nach Lipaja (Libau) unserem nächsten Ziel. Wieder einmal war die Zeit knapp und es blieben, nach der Ankunft im Hotel "Kolumbs", 20 Minuten, sich für die bevorstehende Stadtbesichtigung vorzubereiten. Diese wurde von einer Russin geführt, die mit Begeisterung ihr Engagement für die Stadt und das Land mitteilte.
Sie wusste viel zu erzählen, und bei manchem Gebäude wäre man achtlos vorbeigegangen, ohne dessen historische Besonderheit zu erkennen. Ehrlich gesagt gab es keinen einzigen Platz, der zum Verweilen angeregt hätte. Diese Dame scheute sich nicht,  irgendwelche Gebäude zu betreten. So gerieten wir u.a. in eine Vernissage, sozusagen als ungebetene Gäste. Hätte nur noch gefehlt, dass sie einen Privathaushalt ohne Ankündigung aufgesucht hätte.
Wie die Tage zuvor blieb kaum Zeit bis zum Abendessen. Es gab diesmal zwar keinen Nachtisch, aber die Suppe und die Hauptspeise waren überzeugend.
Eine kleine Truppe zog es danach zum Strand, andere gingen zum Supermarkt. Wenig später kehrten alle zurück, wohl wissend, dass sich der Wecker noch früher als bisher melden würde.
Für  7:30 Uhr war das Frühstück geplant, die  Abfahrt für 8:30 Uhr.

Donnerstag, 4.8. 2016
Bis auf die üblichen Verdächtigen waren alle pünktlich beim Frühstück. Die Disziplin der Truppe war sensationell. Erwartet wurde zu Beginn des Tages der ein oder andere Regenguss, doch das spielte eine untergeordnete Rolle, weil es erst mit dem Bus losging.
Was genau im Tagesverlauf passieren sollte, war unklar.
Der erste Halt war an einer Tankstelle. Die einen nutzten die Pause, um zur Toilette zu gehen, andere tranken Kaffee oder andere Erfrischungen. Der nächste Halt war in Kuldiga (Goldingen), einem überschaubaren Städtchen. Wir befürchteten eine erneute Stadtführung in heruntergekommenen Straßen und entlang maroden Gebäuden. Doch dieses Mal waren wir positiv überrascht. Diese kleine Stadt machte etwas daher. Schon bei der Anfahrt konnten wir einen Blick auf den längsten Wasserfall Europas werfen, der zwar höchstens zwei Meter Fallhöhe aufweist, sich dafür aber lange streckt und der ein echter Hingucker dieser Stadt ist. Wir trafen unsere Stadtführerin, die sehr gut Deutsch sprach und uns zu einem interessanten Gang durch diese Kleinstadt mitnahm. Ein schön angelegter Stadtgarten erfreute alle Sinne. Was die Häuser und die Straßen betrifft wurde sehr viel dafür getan, den ursprünglichen Charakter wiederherzustellen, was angesichts vieler heruntergekommener Gebäude und Plätze eine Herausforderung gewesen sein musste und ist. Etliche Straßen wurden nach der Verlegung der notwendigen Versorgungsleitungen wieder mit dem ursprünglichen Pflaster versehen. Renovierungsarbeiten müssen strengen Auflagen entsprechen. Wir konnten Handwerker beim Entfernen alter Farbschichten zusehen, ausgeführt mit aufwändiger Handarbeit. Viele Gebäude hatten außen die ursprünglichen Fenster, innen aber moderne Kunststofffenster.
Andrzej  spendierte Käsekuchen mit Rosinen. Alle griffen beherzt zu.
Weiter fuhren wir mit dem Bus  zu einem wunderschönen Picknick-Platz an einem kleinen See. .Alle halfen mit, Getränke und Nahrungsmittel vom Bus zu einem kleinen Park zu bringen. Es gab genügend Platz für das reichhaltige Buffet und auch Sitzplätze. Den Regen hatten wir längst vergessen. Es herrschten angenehme Temperaturen. Wenig später stiegen wir wieder auf die Räder. An einer Tankstelle verweilten wir etwas, nachdem wir uns mit Gegenwind plagen mussten, um dann die zweite kurze Ertappe zum Strand anzugehen. Dem Wunsch der meisten, genügend Zeit dort zu verbringen, wurde entsprochen. Klar war, dass damit die Radtour beendet war. Einige trauten sich in die relativ heftigen Wellen, andere gingen am Strand spazieren oder sonnten sich am Fuß der Dünen.
Nächstes Ziel war ein Imker, der zahlreiche Köstlichkeiten anbot, die man ausprobieren konnte. Fast alle nutzten die Möglichkeit einzukaufen, z.B. Honig für die Lieben zuhause.
Von dort war es nicht mehr weit bis zu unserem nächsten Hotel in Ventspils (Windau). Doch es gab noch einen Umweg über den Hafen, hin zu einer Treppe, die zu einem menschenleeren Strand führte. Lieber wäre es der Gruppe gewesen, einmal frühzeitig im Hotel anzukommen. Bis zum Hotel "Vilnis" waren es nur noch wenige Kilometer. Wieder war die Zeit recht knapp geworden, doch am Ende reichte es, weil das Abendessen erst um 19:30 Uhr serviert wurde. Ein sehr langer Tag war zu Ende.
Frühstück wieder um 8:00 Uhr. Die Chance, etwas länger zu schlafen, willkommen.

Freitag, 5.8.2016
Alle waren wieder rechtzeitig beim Frühstück, für jeden war etwas dabei. Um 9:00 Uhr waren die meisten Koffer eingeladen und wenig später fuhr der Bus los. Die Wettervorhersage für den Tag war positiv, so dass es nach einer Weile losging mit dem Radeln.
Die erste Etappe war 34 km mit der Vorgabe, das eigene Tempo zu wählen. Es bildeten sich einige Gruppen, der Abstand zwischen den vorausfahrenden und den letzten wurde immer größer. Am Ende kamen alle an einem schönen Parkplatz an, der recht einladend war und der ideale Ort für das Picknick. Andrzej scheuchte die Leute zum nahegelegenen Strand, von wo aus man einen ersten Blick auf die Bucht von Riga werfen konnte. Eine halbe Stunde später fanden sich alle zum Picknick ein, was wiederum keine Wünsche offen ließ. Alle hatten die Möglichkeit, einen Sitzplatz zu finden.
Die Angaben bezüglich der weiteren Strecke waren ungenau. Am Ende waren es weitere 24 km bis zum Haltepunkt unseres Busses. Das Versprechen der Sportfahrer, langsam zu fahren, hielt nicht lange. Das Feld war wieder einmal auseinandergerissen. Dem Wunsch, das ein oder andere kleine Dorf zu besichtigen, wurde nur vage entsprochen. Gut, dass wir den sogenannten "Besenwagen" hinter uns wussten, der, von Radrennen bekannt, diejenigen aufsammelt, die es nicht schaffen ins Ziel zu kommen. Doch er kam Gott sei Dank nicht zum Einsatz.
Wein und Bier wurden gereicht, als das Ende der Radtour gekommen war. Andrzej schlug vor, noch einmal in die Natur auszuschwärmen, was einige taten. Nach ca. 30 Minuten ging es dann mit dem Bus los in Richtung Riga. Der Traum, einmal vor 18:30 Uhr das Hotel zu erreichen, ging nicht in Erfüllung. Stattdessen gab es einen erneuten Stopp. Immerhin an einem sehr schönen Platz mit einem Café, der für Entschleunigung bestens geeignet war.
Danach näherten wir uns Riga, eher gemächlich, weil Tempolimits und Baustellen eine zügige Fahrt verhinderten.
Mit hungrigem Magen ging es dann vor dem Einschecken im Hotel "Albert" ins Restaurant "Lido". Hier gab es einige Überraschungen, was den Ablauf betraf. Zum ersten Mal gestaltete sich das Essen aus verschiedenen Gründen etwas chaotisch, trotzdem ließen sich die Teilnehmer nicht die Laune verderben. Immerhin waren die Speisen von guter Qualität, auch wenn das Lokal zu einer Kette gehört. Brav wie immer folgten wir den Anweisungen unseres Chefs. Nach dem Essen waren es wenige Minuten zu unserem Hotel, das auf den ersten Blick einen guten Eindruck machte. Einige trafen sich noch einmal in der Lounge im 11. Stock, von wo man einen herrlichen Ausblick über die Dächer der Stadt hat.

Samstag, 6.8.2016
Der Tag begann mit dem wohl besten Frühstück bisher. Man konnte kaum das vielfältige Angebot wahrnehmen. Pünktlich um 9:00 Uhr empfing uns bereits ungeduldig unsere Stadtführerin, die als ehemalige Deutschlehrerin in bestem Deutsch mit ihren Ausführungen begann. Nach kurzer Wegstrecke waren wir in einem Viertel angelangt, in dem zahlreiche stolze Gebäude im Jugendstil zu besichtigen waren. Sehr eindrucksvoll, was die Architekten und Erbauer sich einfallen  ließen, jedes Haus ideenreich und variantenreich zu gestalten. Viele dieser Häuser beherbergen öffentliche Einrichtungen, wie z.B. Museen, Verwaltung, Botschaften usw., und sind in einem guten Zustand. An den Ergänzungen zu den Hausnummern kann man ablesen, ob ein Gebäude privat oder öffentlich ist. Andere warten auf eine Renovierung, die ein teures Unterfangen bedeuten.
Alle Gebäude und Plätze aufzuzählen, die wir bei unserem dreistündigen Durchgang durch die eindrucksvolle, weitläufige Stadt wahrnahmen, würde ein kleines Buch füllen.
Die Informationsflut brachte die Gruppe an die Grenzen der Aufmerksamkeit.
Nach der Stadtführung sollte  erneut das "Lido"  aufgesucht werden, was eine heftige Diskussion auslöste. Die wenigsten waren von dieser Idee begeistert, da es am Abend zum dritten Mal dorthin gehen sollte.
Wir einigten uns darauf, das Mittagessen dort einzunehmen, mit der Möglichkeit, sich am  Buffet individuell zu bedienen. Für den Abend wurde beschlossen, ein Restaurant aufzusuchen, in dem es möglich sein könnte, gemütlich zusammen zu sitzen. Andrzej  war nicht begeistert, versprach aber, sich um ein gutes Restaurant in der Nähe unseres Hotels zu kümmern.
Das Essen war wieder durchaus von Qualität, der neue Modus sorgte für mehr Gelassenheit als am Vorabend. (Jeder bezahlte sein Essen selbst, gesponsert mit 5  Euro von Andrzej).
Die meisten entschieden sich anschließend, zum Zentralmarkt zu gehen, der in 30 Minuten zu Fuß zu erreichen war. Er gehört zu den ältesten und größten Märkten in Europa. Dass dies wohl zutrifft, zeigte sich beim Bummeln zwischen den Außenständen und den Markthallen. Eine davon hatte unzählige Angebote an frischem Fisch aller Art. Berge von Obst und Gemüse zauberten eine bunte Vielfalt an Farben. Unvorstellbar, wie das Angebotene an einem Tag verkauft werden soll. Immerhin geht es hier überwiegend um ganz frische Produkte.
Inzwischen war jeder entsprechend seiner Interessen unterwegs, so dass sich die Gruppe nicht wieder zusammen fand.
Um 19:00 Uhr trafen wir uns in der Lobby wieder und Andrzej führte uns tatsächlich zu einem netten Restaurant. Unterwegs konnten wir unsere Radtaschen im Bus deponieren und die vergessenen Gegenstände mitnehmen. Wenig später, von einigen kräftigen Regentropfen angefeuchtet, erreichten wir das Restaurant, das uns bereits beim Anblick der gedeckten Tafel positiv überraschte.
Das Essen wurde allseits gelobt, der Ablauf entspannt. Christel ließ es sich nicht nehmen, eine kleine Ansprache zu halten, in der sie mit netten, charmanten Worten vor allem die Reiseleitung mit Recht lobte und das Erlebte kurz Revue passieren ließ. Wir stießen gerne auf die gelungene Reise an und zeigten mit kräftigem Beifall unsere Zustimmung.
Auch Gabi wollte die Gelegenheit nutzen, um vor allem Kalle zu danken, der die Initiative zu der Tour übernommen und sozusagen den Stein ins Rollen gebracht hatte.
Zurück im Hotel gegen 22:00 Uhr ging es noch darum, die USB Sticks in adressierte Kuverts zu stecken, damit Andrzej die zahlreichen Fotos, die er und Robert unterwegs gemacht hatten, den Teilnehmern zur Verfügung stellen kann.
Die Gruppe verabredete sich um 8:00 Uhr zum Frühstück, um uns von den beiden Organisatoren zu verabschieden.

Persönliches Fazit der Reise
Intensive Reise mit zahlreichen Eindrücken bezüglich Natur und Menschen
Nahezu 300 km auf dem Rad zurückgelegt
Nur eine Panne (Kalle)
Prima Wetter bis auf winzige Ausnahmen
4 Länder in 10 Tagen
Tolle Städte (welche ist Favorit am Ende – Riga?)
Reizvolle Picknick-Plätze
Reichhaltiges Angebot beim Picknick
Super sicherer und geschickter Busfahrer (Robert)
Knorriger aber herzlicher Reiseleiter (Andrzej)
Gut präparierte Räder
Zufriedenstellende Hotels
Gute Kondition der Teilnehmer trotz des hohen Alters (Toni ist der Älteste mit reifen 66)
Keinerlei gefährliche Situationen unterwegs
Gute Stimmung, auch bei teilweise langen Wartezeiten an den russischen Grenzübergängen
Nur 4 Raucher, die von der Gruppe geduldet wurden
Außer Connies Magen-Darm-Problem keine Krankheiten
Selbst nach dem offiziellen Ende gemeinsame Aktivitäten und Unternehmungen

Sonntag, 7.08.2016
Die restliche Gruppe traf sich zwischen 8:00 Uhr und 9:00 Uhr zum Frühstück. Danach hieß es Abschied nehmen von Robert und Andrzej als auch von Ute und Angelika, die als erste die Heimreise antraten.
Die meisten verabredeten sich für 10:00 Uhr, um dann mit der Linie 1 zu einem Freilichtmuseum zu fahren, wo an diesem Tag auch ein Kunsthandwerkmarkt statttfand. Neben zahlreichen alten Holzhäusern verschiedener Größe und Ausstattung gab es auf einem Festgelände zahllose Stände, in denen von Holzbrillen, Bernsteinschmuck bis hin zu Kleidern eine große Vielfalt angeboten wurde. Hin und wieder traf man sich, u.a. auch beim Essen, am Ende auch an der Bushaltestelle, weil einige nochmal ins Hotel zurückwollten, bevor das "Abendprogramm" beginnen sollte.
Immerhin 12 Teilnehmer der Reise waren sich einig, ein Orgelkonzert mit Vokalmusik zu besuchen.
Das war eine gute Entscheidung. Die Darbietungen, insbesondere die Vokalstücke, von 6 Frauen vorgetragen, waren von hoher Qualität.
Nach einer Stunde war das Konzert beendet. Ziemlich schnell einigten wir uns darauf, in der Nähe unseres Hotels ein Restaurant zu suchen, in dem wir gemütlich zusammen sitzen konnten. Die Suche hatte Erfolg, das Essensangebot des ausgewählten Restaurants war überzeugend.
Eine rege  Unterhaltung ließ die Zeit, die wir auf das Essen warten mussten, im Nu vergehen.
Alle waren zufrieden und wir brachen zum nahe gelegenen Hotel auf. Nun hieß es auch Abschied nehmen von Toni und Kalle, die am nächsten Morgen recht früh zum Flughafen aufbrechen mussten.
Kalle, Rita und Günther verbrachten noch eine gute halbe Stunde in der Bar im 11. Stock und nahmen noch einen Schlaftrunk zu sich.

Montag, 8.08.2016
Zum späten Frühstück erschienen nach und nach Edgar, Waltraud, Conny, Rita ,Günther und Christel. Von den drei ersten verabschiedeten wir uns schließlich auch noch, so dass am Ende Christel, Rita und Günther im Hotel blieben.
 
Am 08. August sind wir mit Baltic Airlines von Riga nach Stockholm geflogen. Patrick hat uns ein kleines Appartement in der Royal Academy of Arts gemietet, was nur knapp 10 m entfernt ist von seinem Arbeitsplatz!  Er ist dort als Lehrer für Lithographie tätig. Am nächsten Morgen haben wir dann unseren chinesischen Besuch getroffen. Wir kennen Yan Jialing, kurz Chamois genannt, und ihre Familie schon seit 2006, als ich die erste Schulpartnerschaft mit einer chinesischen Schule auf die Beine stellte. Letztes Jahr im August waren Waltraud und ich bei ihr und ihrer Familie in der chinesischen Provinz Innere Mongolei (Inner Mongolia) zu Besuch gewesen. Wir blieben drei Tage in Stockholm und fuhren dann mit dem Auto und den drei Chinesen zu unserem Haus. Wir haben eine interessante Zeit mit vielen Gesprächen, Beeren suchen, Angeln, Rudern, Sightseeing und Shopping verbracht. Und Vincent, so sein englischer Name, hat doch tatsächlich allein den größten Hecht gefangen, der jemals meines Wissens aus diesem See geholt wurde: 90 cm lang und 6 kg schwer. Ich habe ihn filetiert, das Essen war köstlich! Sie haben den Aufenthalt bei uns im Wald genossen.
 
 

Am 23. August sind wir dann wieder nach Itzehoe gefahren, damit unser chinesischer Besuch auch Rebecca, Tobias und die Jungs kennenlernen konnten. Auf dem Weg nach Deutschland haben wir noch Kopenhagen unsicher gemacht, die Meerjungfrau besucht, Schloss Amalienborg von außen betrachtet und haben dann in Fredericia übernachtet. Am nächsten Tag stand Legoland auf dem Plan und Chamois hat fleißig eingekauft. Es waren drei schöne Tage in Itzehoe mit einem Besuch von St. Peter-Ording, wo die Kinder in den Wassertümpeln des Wattenmeeres rumplanschen konnten. 
 
Waltraud ist dann bei Rebecca in Itzehoe geblieben. Sie hat Emil und Johan betreut, in den Kindergarten und in die KiTa gebracht, weil Rebecca angefangen hat, in der Schule ihre Ausbildung zu beenden. Ich habe die Chinesen wieder nach Schweden gefahren, sie zwei Tage später auf den Bahnhof nach Alvesta gebracht, in den Zug gesetzt und dann sind sie von Stockholm nach Qingdao geflogen. 
Und ich habe dann noch zwei Wochen in Schweden gearbeitet, neue Fenster gesetzt für eine Sauna, Heidelbeeren gesammelt und Saft gemacht und und und .... Die Zeit wird nicht langweilig, aber das wisst ihr ja selbst. Am letzten Mittwoch bin ich dann wieder einmal nach Itzehoe gefahren, dann waren wir noch einige Tage mit der Familie zusammen und seit Sonntag sind wir wieder in Speyer, nach fast vier Monaten in Schweden. Ach was für eine schöne Zeit!!  Hat allen Leuten gut gefallen.

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