Donnerstag, 13.10.2011
Das Schlafzimmer war schön kühl, als wir um 22.30 Uhr schlafen gingen. Während der Nacht war leider keine Kühlung mehr möglich, der Sauerstoff fehlte, weil die Fenster geschlossen waren wegen der Moskitos und wir haben fürchterlich geschwitzt und an durchgehenden Schlaf war nicht viel zu denken. So war ich schon früh um 6.00 Uhr auf und genoss die tolle Atmosphäre bei einem sehr schmackhaften Massala-Tee, während sich die Bauersfamilie am Anlieger für den Tag fertigmachte. Zähne putzen, waschen, spülen – alles an der gleichen Wasserstelle. Gelegentlich fuhren kleine Boote vorbei, die Männer hatten alle etwas zu essen dabei. Andere fuhren die Büffel holen, damit sie hinter dem Haus gemolken werden konnten.
Um 8.00 Uhr lichteten wir den Anker und fuhren langsam Richtung „Heimathafen“, freuten uns über das gute Frühstück und schossen eine Menge von schönen Bildern. Saaji wartete schon auf uns und wie immer lag ein frohes Lachen auf seinem Gesicht – ein wirklich charmanter einfacher Mann, den sein kleiner Sprachfehler nur noch liebenswerter machte. Er ist gerne mit uns gereist.
Wir fuhren nach Cochi, besuchten den geschlossenen Dutch Cemetery (!), die geschlossene jüdische Synagoge und den ebenfalls geschlossenen jüdischen Friedhof, der sich so ganz von den europäischen Friedhöfen unterscheidet. Gott sei Dank war die ehemalige Grablege von Vasco da Gama zu sehen, der hier im Jahr 1524 begraben wurde. Sein Sohn hat ihn 1538/39 nach Portugal heimgeholt, das Grab des großen portugiesischen Entdeckers kann heute in Bélem/Lissabon besichtigt werden. Die Kirche St. Francis, in der sich das erste Grab Vasco da Gamas befindet, ist die älteste von Europäern errichtete Kirche in Asien. Das jüdische Viertel dagegen ist aus meiner Sicht zu einem Ramschviertel für Touristen verkommen, in dem man auf jedem Meter von schmierigen Kaschmiritypen angequatscht wird: „Hallo mein Freund!!“. Von mir haben sie auf jeden Fall keine Rupie erhalten. Im Abad Hotel Fort Kochin gab es dann noch eine indische Uraufführung: wir haben dort Kuchen gegessen, darunter auch Black Forest Cake, der pro Stück 40 Rupien kostete, rund 65 Cent und gar nicht mal so schlecht schmeckte.
Nach dem grausamen Basareinkauf im ehemaligen jüdischen Viertel ging es dann in die Neuzeit. Auf dem Weg zum Flughafen besuchten wir eine Mall mit ganz neuen Geschäften und sehr schönen Waren. Hier gab es natürlich noch was zu kaufen. Das ist das moderne Indien, das sich von unserem wenig unterscheidet. Der aufstrebende Mittelstand unterscheidet sich von uns nur noch wenig.
Abendessen nahmen wir in einem Vegetarischen Restaurant ein, was natürlich wegen der Vielfalt der Wünsche und weil manche Gerichte nicht verfügbar waren, auch nicht reibungslos funktionierte – wir wurden trotzdem satt und es hat wie immer wunderbar geschmeckt. Leider gab es kein Bier für ein gemütliches Beisammensein am Abend, aber Toni und Amar haben genügend Bier beschafft und wie bei einer Klassenfahrt trafen wir uns dann auf einem Zimmer, tranken einige Gläschen und besprachen noch einmal die vielen tollen Eindrücke, die uns diese Reise geschenkt hat. Jeder hatte sein persönliches Highlight, seine persönlichen Favoriten. Es war für jeden etwas dabei und nebenbei lernte man seine Hightechkamera auch noch besser kennen.
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