Gegen Ende der Reise darf man sich auch mal in schriftlicher Form zu einigen Schwerpunktthemen aeussern. Da wir ziemlich viel Zeit auf der Strasse verbracht haben, faellt es leicht, gueltige Aussagen zu treffen.
Fest steht ohne Zweifel, dass sich in den letzten Jahren die Verkehrsdichte in Indien, sowohl in der Stadt wie auch auf dem Land, unheimlich erhoeht hat. Das gilt sowohl fuer kleinere als auch fuer groessere Autos. Gestern in Chandigarh konnte ich eine Reihe von brandneuen BMWs und Mercedeswagen fotografieren.
Der Bau von Strassen hinkt in immer gewaltigeren Abstaenden dieser Entwicklung hinterher, obwohl wir insbesonder in Harjana und Himachal Pradesh tolle Strassen bei relativ geringer Verkehrsdichte befahren haben. Trotydem haren viele der wichtigsten Verbindungen in einem katastrophalen Zustand, der durch die heftigen noch gewaltig verschlimmert wurde. Das Fehlen eines gut ausgebauten Nahverkehrssystems mit Bussen fuehrt dazu, dass eine unglaublich Zahl an kleinen Tuktuks und anderen Transportmitteln herumkurven und den Personentransport bewaeltigen. Aus solch kleinen Fahrzeugen steigen dann nicht selten mehr als 20 Reisende aus. Nur die europaeisch-aengstliche Seele fragt da schon mal nach, was alles passieren koennte wenn.......
Wie oft auf dieser Reise durch die Bundesstaaten Rajasthan, Harjana, Punjab, Uttarakhand, Uttar Pradesh und Himachal Pradesh haben wir den richtigen Weg gesucht? Toni hat ein dem Nokia X6 aehnliches Handy dabei mit Navigation. Das hat uns, man glaubt es kaum, in den Staedten wichtige Dienste geleistet, auf dem Land musste es leider kapitulieren. Wie das? Man kann darauf kostenlos bei Nokia alle Karten saemtlicher Laender laden. Viele Male hat Amar Singh irgendwo nach dem Weg gefragt. Nur in den grossen Staedten waren vor den wichtigsten Kreuzungen Hinweisschilder angebracht, auf dem Land fehlten sie voellig und man musste sich auf seine Spuernase und die Hilfe von Fremden verlassen. Dementsprechend war unser guter Freund haeufig gezwungen, sich durchzufragen und erhielt dementsprechend oft ganz widerspruechliche Angaben. Die besten Strassen, sowohl von der Bauart als auch von der Beschilderung her gab es in Chandigarh, der gemeinsamen Hauptstadt von Punjab und Harjana. Hier werden auch, erstaunlich genug dass es erwaehnt werden muss, die Verkehrsregeln weitgehend eingehalten. Das gilt leider nicht fuer den Rest des Landes, soweit er uns bekannt ist. Hier erfolgt das Fahren haeufig nach dem Recht des Staerkeren und Aggressiveren. Sich ueberall reindraengeln, laujtes Hupen, auch wenn es voellig sinnlos ist, weil sich niemand in Luft aufloesen kann, Ueberholen in den Kurven, was selbst dem Gewagtesten bei uns nicht einfallen wuerde, das voellige Fehlen von Ruecksichtnahme, das Fahren auf den Millimeter, das alles ist uns jeden Tag von frueh bis spaet aufgefallen. Auf der anderen Seite haben wir nie solch aggressive Situationen gesehen,wo sich die Fahrer an den Hals gegangen sind oder mit Gesten bedroht haben. Das alles erfolgt bei Gott sei Dank niedrigen, noch niedrigen Geschwindigkeiten, etwas anderes laesst die Verkehrslage auch meist nicht zu. Amar Singh sagt, in Suedindien ist es viel besser - wir werden ihn beim Wort nehmen.
(Fortsetzung folgt)
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