Freitag, 17. September 2010

Mitten in Rajasthan

Freitag, 17.09.2010
Alwar hat ca. 280000 Einwohner und besitzt einen der schönsten Rajputenpaläste Rajasthans, trotzdem sieht man hier nur wenige Touristen. Das gilt auch für unser Hotel. Das Aravali-Hotel, so wirds richtig geschrieben, liegt direkt gegenüber vom Bahnhof und der ist nicht wenig frequentiert – was das heißt, braucht man ja niemandem zu erzählen. Trotzdem haben wir die Nacht gut verbracht. Das Frühstücksbüffet war nicht schlecht, aber wir versuchen trotzdem, nicht zu viele Pfunde mit auf die Waage zu nehmen.
Pünktlich um 9.30 Uhr ging es los. Amar Singh hatte zur Verstärkung noch vier Nichten mitgebracht, von denen ich zwei aus der Schule von Satis Yadav kannte. Sie lernen alle an verschiedenen Schulen (Colleges) in Alwar, aber ihre Englischkenntnisse waren sehr minimal ausgeprägt, so dass nur schwer eine Unterhaltung zustande kam, d.h. unser guter Amar Singh hat ihnen die Würmer aus der Nase gezogen, indem er auf Hindi die richtigen Fragen stellte. Das nur zur Qualität der Schulbildung. Wir fuhren zu einem in der Nähe von Alwar gelegenen See und machten dort einen halbstündigen Ausflug mit zwei Tretbooten. Sie waren noch nie hier gewesen, saßen noch niemals in einem Boot und konnten auch nicht schwimmen. Dazu waren sie für 16jährige außergewöhnlich scheu, aber so sind sie halt in Indien.
Nachdem wir sie in Alwar wieder abgesetzt hatten, sind wir dann zum Hill Fort Keseroli gefahren, nunmehr ein Hotel der Neemrana-Gruppe. Dort haben wir Lunch gehabt und haben uns anschließend Amar Singhs Bilder von seinem Boottripp in Kroatien angeschaut – tja, der kommt auch in der Weltgeschichte rum, nicht nur ...., lassen wir das Thema jetzt.
Man kommt über verwinkelte Treppenaufgänge auf das Dach und hat von kleinen Aussichtsterrassen einen wunderbaren Überblick über die Gegend, das Dorf und einzelne Höfe. Es würde sich lohnen, einmal einen ganzen Tag das Treiben in dem kleinen Dorf, an der Moschee und dem kleinen Hindu-Tempel ist abzulesen, dass beide Religionsgruppen hier friedlich leben, zu beobachten. Leider brannte die Sonne unbarmherzig auf uns nieder, so dass man immer wieder den Schatten der nächsten Wand aufsuchte.
Die Rückkehr auf der gerade mal knapp 3 m breiten asfaltierten Straße zur Haupstraße führte wieder durch unglaublich tiefe Schlaglöcher, die sich kaum beschreiben lassen. Der Höhepunkt war aber die Bahnschranke in Alwar. Sie ging gerade vor uns nieder, was aber viele Fußgänger und Fahrradfahrer nicht hinderte, sich unter den Schranken durch bzw. neben den Schranken vorbei noch irgendwie vorbeizuquetschen, das Fahrrad zu schultern oder drunter durchzuschieben, bis dann der laute Warnton der Lokomotive dann endgültig den waagemutigsten Rajputen davon abhielt, in Einzelstücken die Gleise zu überqueren. Die Lokomotivführer müssen einen wirklich nervenaufreibenden Job haben, wenn sie mit ihren Maschinen solche Stellen durchfahren.
Die gesamte Anlage des alten City Palastes von Alwar ist eine wunderschöne Anlage um einen See, den der damalige Raja Singh um 1813 auf den Resten einer uralten Anlage erbauen ließ. An den Raja Bakhtawar Singh, Herrscher in Alwar von 1781 bis 1815 erinnert ein wundervoller Chattri, eine Gedenkstätte mit umlaufenden Balkon und einem halbkreisförmigen Bengaldach. Von der Schönheit ist heute noch viel zu sehen, aber es ist zu befürchten, dass das nicht mehr lange dauern wird. Der Verfall schreitet unablässig voran und man könnte das Heulen kriegen, wenn man sieht, wie alles verdreckt, kaputt geht und sich anscheinend niemand darum kümmert. Incredible India!! Selten hat der Slogan des Tourismusministeriums so gestimmt wie hier.

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