Dienstag, 1. Dezember 2015

Sonntag, 22.11.2015 Die eigentliche Hochzeit

Das leckere Frühstück bestand aus einem Tee mit einigen Biskuitts. Wir saßen oben auf dem Dach und genossen den Blick über das Dorf. D.h. man konnte den Nachbarn in den Hof schauen, wo gerade gekocht, ein Kind gestillt oder auch Kuhdung mit Stroh vermischt und zu Fladen bearbeitet wurde. Letztere sind in den Dörfern und sogar in den Städten ein immer noch übliches Brennmaterial für die Öfen, wenn Tee gekocht wird oder Chapati hergestellt werden. Am frühen Nachmittag sind wir zu Surajs Onkel in ein Nachbardorf gefahren. Auch hier gab es wieder einen leckeren Tee. Die Frau von Surajs Cousin war gerade dabei, die Baumwolle aus den Kapseln zu puhlen. Wir haben das auch probiert und schließlich saßen alle da und trennten die Baumwolle aus den Kapseln. Nach Angabe von Surajs Onkel lohnt sich der Anbau von Baumwolle sehr. 
Warten nach einer Tasse Tee

Patrick, Surajs Tochter Monica, Waltraud, seine Tochter Sonia und die Frau von Surajs Cousin




Wieder zuhause, ging und ging es nicht voran. Wir waren schon "gestiefelt und gespornt", aber es gab erst eine Art Mittagessen um 14:30, bis es dann endlich los ging mit der Fahrt zu den Bräuten, die ca. eine Fahrstunde oder auch mehr entfernt im Dorf Buriash wohnten. 

Halt halt!!! Vorher wurde Waltraud noch in einen Sari eingekleidet, wobei ihr einige Frauen halfen und dann fand wieder eine Zeremonie statt: Der Lautsprecherwagen (früher war es halt eine Kapelle gewesen) bewegte sich Richtung Tempelchen im Ort. Die Frauen begannen zu tanzen und zogen Waltraud mit sich.








Nach einigen Kilometern leuchtete eine Kontrolllampe am Auto auf. Suraj versuchte eine offene Werkstatt zu finden, telefonierte herum, es klappte auf Anhieb nicht richtig. Also wurden wir in ein anderes Auto verfrachtet, dessen Insassen mussten ruckizucki in einen der Busse wechseln. Dann hat sich JK, der neue Fahrer und gleichzeitig Amar Singhs Schwager, auch noch verfahren und es war schon dunkel, als wir über ganz üble Feldwege endlich ans Ziel kamen. JK heißt Jammu (liegt in Kaschmir) und Kanyakumari (liegt an der Südspitze Indiens). Er war früher in ganz Indien von Nord nach Süd und Ost nach West als Fahrer unterwegs gewesen. 

Die Brauteltern hatten ein großes Zelt mit einer Art Buffet aufbauen lassen. Die obligatorischen überdimensionalen Lautsprecher erfüllten ihren Zweck, gingen leider nicht kaputt und einige Männer tanzten ganz entrückt, vielleicht hatten sie schon ihren Whiskey vorher bekommen. Wir waren schick angezogen, mussten eine Menge Hände schütteln und für Fotos uns zur Verfügung stellen, alles kein Problem. Dann gab es wieder einmal ein leckeres Essen, das wir im Stehen eingenommen haben. 
 
JK, Amar Singh's Schwager aus Tijara


Der Besuch aus Deutschland erfreut sich am Hochzeitsessen, Teil 3

Suraj, ein unbekanntes Familienmitglied und Amar Singh

Und irgendwann, es war schon empfindlich kalt und es ging auf 22 Uhr zu, wurden wir in ein Gebäude gebeten, wo die Priester die Hochzeitszeremonie schon vorbereitet haben. 
Wir durften nacheinander vor der eigentlichen Verheiratung die Bräute sehen und auch fotografieren. Ob sie glücklich waren, habe ich mich später mehrfach gefragt?! Als ich einige Aufnahmen von ihnen machte, wirkten sie nicht unbedingt so. Auf jeden Fall aber waren sie wunderhübsch zurechtgemacht. 
Die Bräute (2 davon Schwestern) und die beiden Mütter

Später, als Virender und Jaypal und der dritte Bräutigam vor den Priestern Platz genommen hatten, wurden dann die Mädchen von ihrem Bruder einzeln hereingetragen und neben dem jeweiligen zukünften Ehemann abgestellt. Ihr Gesicht war nicht zu sehen, ein großer Schal bedeckte ihr Gesicht. Im Hintergrund des Raumes saßen viele Frauen der Familie und wohl auch des Dorfes, meist die Gesichter verhüllt, es war mittlerweile auch schon recht kühl geworden und wir hatten nichts, in das wir uns einwickeln konnten. 


Virender scheint ja glücklich zu sein, oder?




Nachdem die Brautpaare das heilige Feuer drei mal umschritten haben, sind wir dann nach Hause aufgebrochen. Die weiteren vier Umrundungen haben wir uns geschenkt. Während dieser Zeremonie dröhnte die Musik weiterhin durch die Gegend, viele Männer saßen irgendwo zusammen und tranken Bier und Whiskey. Es war schon 01:00 Uhr und wir schneuzten uns, wohl wissend, dass wir uns da was eingefangen hatten. 

Suraj brachte uns dann nach Alwar, wo wir im Hause eines Onkels, der früher als Major bei der indischen Armee diente, eine Unterkunft für die Nacht fanden.

1 Kommentar:

  1. Die Hochzeitsgesellschaft scheint wirklich glücklicher zu sein als die Bräute.

    Ein Farbenrausch!

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