Sonntag, 6. März 2011

Wir dienen als Werbemittel und machen unseren Job ganz gut

Dienstag, 1. März 2011


Ein wenig später als sonst, also um kurz nach 10.00 Uhr sind wir heute zu einer kleinen Tour durch das neue alte Qingdao aufgebrochen. Erstes Ziel war die in Schnee getauchte evangelische Christuskirche, deren Besuch einige Yuan Eintritt kostete. Sie ist massiv gebaut und wie alle evangelischen Kirchen schmucklos (und eiskalt war sie zudem noch). Ein Gedenkstein erinnert daran, dass ihr Bau 1908 begonnen wurde, die Einweihung war dann im Jahre 1910. Im Glockenturm erinnert ein immer noch funktionierendes Uhrwerk von 1909 an die Herkunft aus dem Harz (Firma J. W. Weule aus Bockenem!). Eine kleine Suche im Internet zeigt, dass viele deutsche Kirchen ihr Uhrwerk damals von dieser Harzer Firma erhielten. Eine freundliche Dame erklärte uns, dass die Kirche von meist chinesischen Gläubigen eifrig genutzt wird.

Zu Fuß ging es dann weiter zur katholischen Kirche im ehemaligen deutschen Viertel. Leider war sie auch diesmal verschlossen, Brautpaare waren in der bitteren Kälte dieses Märztages auch keine zu sehen (http://www.andersreisen.net/2010/09/11/stressige-hochzeitsfotos-in-qingdao/) – aber auf dieser Website kann man sich darüber ausgiebigst informieren und so war es auch vor 3 Jahren. Das Gebiet um die Kirche mit dem Kirchgarten und den angrenzenden Häusern vermittelt einenfast heimatlichen Eindruck einer deutschen Stadt, nur dass sie 9000 km weit von Deutschland weg ist. An das deutsche Erbe wird bei vielen Häusern durch schwarze Marmortafeln an den Eingängen oder Mauern erinnert, ansonsten lebt Qingdao im Hier und Heute. Überhaupt verlagert sich der wirtschaftliche Schwerpunkt immer weiter von hier Richtung Osten und dann weiter nach Norden.

In einem winzigen Lokal haben wir dann schon früh unser Mittagessen eingenommen, ganz herzvorragend für knap 7 Euro für 3 Personen. Dann ging es wieder zum Hotel, ausruhen, umziehen und zur neuen Schule von Zhao Qiang fahren. Hierzu hat das zweite Auto der Schule gewartet und uns zur Silver School gebracht. Die neue Schule erwies sich als sehr moderne Einrichtung, direkt am Meer gelegen mit einem wundersbaren Blick von vielen Klassensälen und der Bibliothek über das Meer. Meine Skepsis gegenüber dem Vorhaben von Zhao Qiang sollte sich als richtig erweisen. Er hat Toni eingeladen, vor 400 Schülern eine Stunde über Deutschland zu halten. Alle 400 Schüler betraten zusammen mit uns den riesigen Saal, wir standen vorn vor der Leinwand und wurden von Herrrn Zhao Qiang vorgestellt und Toni gab vor dem Kinderfernsehen einem Jungen noch ein kleines Interview. Ich selbst begrüßte dann in englischer Sprache die Schüler und stellte uns kurz vor. Kaum hatte Toni angefangen, breitete sich eine große Unruhe aus, die während der ganzen Zeit nicht nachließ, obwohl sich die Lehrer mehrmals umdrehten, es hat wohl auch dem Chef nicht gefallen. Besonders groß war das Gemurmel, als sie hörten, dass deutsche Schüler von 8 – 13.30 Uhr in die Schule gehen und Toni erläuterte, was sie alles so am Wochenende machen können. Die von einzelnen Schülern gestellten Fragen waren in der Regel nicht zu verstehen und die Englischlehrerin der Schule war schlicht überfordert und grottenschlecht – so ist es nun einmal. So waren wir unendlich froh, dass kurz nach 15.00 Uhr diese nutzlose Veranstaltung vorbei war.

Kaum war dieses Highlight vorbei, ging es mit dem Auto zum nächsten: Nicht weit von der Schule und dem Kindergarten entfernt lag die Yacht, die uns dann zu einer Tour mitnehmen sollte. Bauklötze staunen ist viel zu milde beschrieben, denn die Yacht war riesig. Sie gehört zum Unternehmen, dem auch die Schule, der Kindergarten, die gesamte Werft und der Bootsbetrieb einschließlich Hotel etc. gehören. Auf der Fahrt begleiteten uns alle Lehrkräfte der 39. Mittelschule, die während der letzten Jahre am Austausch mit Deutschland in irgendeiner Form teilgenommen haben. Es war zwar etwas diesig, aber die Stadt, das Denkmal des 1. Mai und das Olympische Gelände von Seeseite her zu sehen war schon grandios. Wir schlossen uns der liebsten Gewohnheit der Chinesen an: Personen – und Gruppenbilder zu machen und hatten viel Spaß.

Nach einem kleinen Spaziergang, vorbei an der riesigen Statue der Meeresgöttin(Kwan Yin of the Sea

bis hin zu dem Punkt, von dem aus das Nullniveau Chinas und Ostasiens bestimmt wurde, ging es dann in das Restaurant, in dem das Farewell-Dinner stattfand. Als alle versammelt waren, auch die Honoratioren der neuen Schule, gab es mehrere Toasts zu Ehren von Lehrern und auch von uns. Dann lag es an mir zu antworten, was mir – weil es mich emotional immer sehr bewegt – gerade noch so gelang. Jedes Mal wurde auf ex getrunken, Gambé sagen die Chinesen dazu. Gott sei Dank wurde mein Glas mit Rotwein (aus Australien) immer nur mit einem Schluck gefüllt, sonst hätten sie mich gleich unter den Tisch legen können!!! Irgendwann kam der Chef des ganzen Unternehmens und auch mit ihm toasteten wir uns zu. Er war uns nicht sonderlich sympathisch und ich erspare mir hier die Beschreibung, immerhin hat er uns ja diese Dinge ermöglicht. Es war ein schöner Abend und es machte den chinesischen Gästen und Gastgebern sichtlich Freude, ihn mit Toni und mir zu teilen, obwohl sich kaum jemand vorstellen kann, wie das alles abläuft. Am Ende setzten wir wir uns noch zu einem typischen chinesischen Gruppenbild zusammen: erste Reihe sitzt im Stuhl und die zweite steht dahinter.

Als wir wieder im Hotel waren, die Koffer noch einmal umpackten und wogen, fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, dass wir den Abschied doch wirklich einen Tag zu früh gefreut hatten. Wir konnten noch, auch wenn es sehr spät war, die notwendigen Anrufe tätigen und uns für unsere Fahrlässigkeit entschuldigen, obwohl wir immer gesagt hatten, dass wir am Donnerstag abfliegen. Nun, so hat uns das Schicksal noch einen zusätzlichen Tag geschenkt, für den kein offizielles Programm vorlag – wundervoll!!!!

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